Ein Tala (sanskrit: ताल, tāla; in südindischen Sprachen: talam; im Englischen: clap) ist eine zyklisch wiederholte rhythmische Struktur in der klassischen indischen Musik, und zählt damit neben dem Konzept des Raga, das die melodiöse Struktur festlegt, zu deren Grundprinzipien.
Indische Rhythmik unterscheidet sich vom westlichen „Takt“-System grundsätzlich dadurch, dass hier mit längeren Einheiten gearbeitet wird. Ein Tala besteht aus einer bestimmten Anzahl von Schlägen (Matra), die in Gruppen (Vibhag) eingeteilt sind. Das erste Matra einer solchen Gruppe trägt eine gewisse Betonung. Die stärkste Betonung trägt das erste Matra des Zyklus (Sam = gemeinsam, zusammen). Während die Musiker ihre rhythmischen Variationen spielen, treffen sie einander immer wieder auf dieser „Eins“. Dadurch bauen sich häufig interessante Spannungen auf, die sich mit diesem gemeinsamen Schlag wieder lösen. Ein Musikstück endet stets auch auf Sam. Manche Vibhags beginnen mit einem unbetonten Matra, dem Khali (wörtlich: leer). Die Abfolge eines Talas kann durch Gesten der Hände angezeigt werden: Das erste Matra jedes Vibhags wird durch Klatschen angezeigt, der Khali jedoch durch eine winkende Bewegung mit der Hand, wobei der Handrücken nach unten zeigt.
In der klassischen Musik Nordindiens kann ein Tala durch das Spielen einer festgelegten Folge von Schlägen auf einer Trommel (Tabla oder Pakhawaj) dargestellt werden. Eine solche Schlagfolge heißt Theka und ist fest mit einem Tala verbunden. Da die verschieden Trommeltechniken mit Silben (Bol) bezeichnet werden, kann der Theka in rhythmischer Sprache wiedergegeben und memoriert werden.
Der Perkussionist spielt zu Beginn die Theka; er kann im Laufe der Zeit auch improvisieren und streckenweise wieder zur Theka oder einer ihrer Variationen zurückkehren. Je nach Tempo wird die Theka variiert. Im langsamen Tempo werden die Pausen zwischen Hauptschlägen durch Verzierungen aufgefüllt, im schnellen Tempo werden einzelne Schläge ausgelassen oder durch einfacher zu spielende ersetzt. Dabei soll aber die Struktur des Tala für den Hörer deutlich bleiben. Diese Variationen werden heißen Prakar.
Während die klassische europäische Musik lediglich 4/4 und 3/4 Takte verwendet, gibt es in der Indischen einige hundert Talas, aber nur wenige werde häufig gebraucht. Einige Tala sind mit bestimmten Musikstilen verbunden, in denen sie hauptsächlich angewendet werden. Einige Tala, die vor allem im Dhrupad verwendet werden, sind von der Trommel Pakhawaj beeinflusst. Ihre Theka verwendet Silben, die für diese Trommel typisch sind. Entsprechend haben Bhajans (Lieder der religiösen Verehrung) ihren typischen Tala.
Generell werden drei Tempo-Stufen unterschieden, für die der Oberbegriff laya verwendet wird:
Darüber hinaus bezeichnet laya auch noch die rhythmische Dichte, d.h. in wieviele gleich lange Teile ein matra unterteilt wird (zwei, drei oder mehr). Die Erhöhung der Dichte führt ebenfalls zum Eindruck eines höheren Tempos. Im langsamen Tempo, vilambit, kann sich ein Tala-Zyklus über mehrere Minuten erstrecken. Dabei wird jedoch der besseren Übersicht halber jeder Beat noch weiter unterteilt. Die Pausen zwischen den „Schlägen“ werden durch rhythmische Muster verziert, wobei sich die Musiker - und im Idealfall auch die Zuhörer - jedes „echten“ Schlags (und vor allem der „Eins“) sehr bewusst sind.
In der ersten Zeile steht jeweils die Betonung:
In der dritten Zeile stehen die Trommelsilben, sie dienen nicht nur als Spielanleitung für den Trommler, sondern geben auch, wenn man rhythmisch spricht, eine Eindruck von der Struktur des Tala.
Der Tintal (auch Trital) ist der am meisten gebrauchte Tala in der nordindischen Musik. tin oder tri bedeutet drei, da der Tala drei Betonungen hat.
Der Tintal hat eine Länge von 16 Schlägen (Matra, gegliedert in vier gleich lange Abschnitte (Vibhag).
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| dha | dhin | dhin | dha | dha | dhin | dhin | dha | dha | tin | tin | ta | ta | dhin | dhin | dha |
Von diesem Tala existieren viele Varianten, die z.T. als eigener Tala bezeichnet werden, aber die gleiche Struktur haben.
Der Dadratal hat seinen Namen von einer semiklassischen Gesangsform, die diesen Tal (häufig) verwendet. Er wird auch in der Volksmusik benutzt.
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| dha | tin | ta | ta | tin | ta |