Musik hat die Macht, den Himmel auf die Erde herabsteigen zu lassen.

Sarasvati

Die Geschichte der indischen Musik hat vor prähistorischer Zeiten ihren Anfang genommen. Bis heute hat sie ein unverzichtbares Genre entwickelt, um Veränderung in der menschlichen Gesellchaft zu wirken, für die sozialen, politischen, kulturellen, religiösen und spirituellen Werte des Lebens.

Der erste Schrei eines jeden neugeborenen Menschen ist ein Urklang, des bewusst-Werdens beim ersten Moment in der Welt. Diese Originallaute werden später in Musikkläng konvertiert.

In keiner anderen Kunst, Wissenschaft oder sonstigen menschlichen Betätigung, wurde auch die Lehre der Evolution so enthusiastisch willkommen geheissen, eifrig angenommen und von ganzem Herzen immer wieder geschmückt wie in der Musik.

In früheren Tagen waren alle Riten und Zeremonien eng mit Musik verknüpft. In Indien formte Musik einen integralen und unverzichtbaren Teil des Lebens.

Im zweiten Jahrhundert n. Chr., komponierte ein, Wisschenaftlern heute nicht nennbarer, Autor in Indien ein Textbuch über Drama, Musik und Tanz, welches er im Einklang mit dem Brauch der Zeit dem altweisen Heiligen Bharata widmete - und so hat es bis auf den heutigen Tag überdauert.
Dieses Bharata Natyashaastra ist für uns die früheste noch erhaltene indische Autorität dieser drei Künste, und es geht daraus hervor, dass zu dieser Zeit Indien ein voll entwickeltes System der Musik hatte, aus dem sich die spätere (indische) klassische Musik entwickelte. Das Niveau von Tanz, Musik, beim Vortragen und der Inszenierung von Episoden aus den, in den Urfassungen lange zuvor entstandenen, grossen Epen Ramayana und Mahabharata muss von solch aussergewöhnlicher Höhe gewesen sein, und eine solche Beliebtheit genossen haben, dass die schriftliche Kodifizierung der ästhetischen Grundsätze und Formen der darstellenden Künste bis in alle Details in einem Sanskrit Kompendium notwendig geworden war.

Die künstlerischen Mittel im Kommunikationsprozess werden im altindischen Theater Abhinaya genannt, wörtlich: Neues vermitteln, rüberbringen, mitteilen.
Im Natyashastra werden verschiedene Arten Abhinaya unterschieden. Die Erste, Angika, umfasst alle Darstellungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers.
Die Zweite, Vachika, beinhaltet alle akustischen Kommunikationsmittel, also das Sprechen in Sanskrit und verschiedenen Volkssprachen, Rhetorik, Metrik, die Tempi und verschiedene Arten des Singens und der Instrumentalbegleitung. Schon früh hatte man im Zusammenhang mit der Kunst die Lehre von den emotionalen Stimmungen (Rasa) entwickelt, die für die indische Ästhetik konstitutiv geworden ist.
Das Wesen des indischen Kunstgenusses besteht ja darin, durch dramatische, poetische, musikalische oder visuelle Mittel den Geist des Betrachters in eine gewollte Emotion zu versetzen, wobei der in den Genuss Verstrickte derartig von der betreffenden Stimmung affiziert werden soll, dass kein anderer Gedanke mehr Platz findet, was einer der Meditation vergleichbaren völligen Absorption des Geistes entspricht.
Bei Kunstdarbietungen soll auf diese Weise eine gleichzeitige, emotionale Ebene von Künstler und Betrachter erzielt werden.

Die klassische indische Musik ist modal, in sofern als sie nur ein Melodie-Instrument im Grundsatz duldet. Innerhalb eines von strengen überlieferten Regeln gesetzten Rahmens bietet sich doch ein breiter Raum für Interpretation. Im Solospiel arbeitet der Musiker einen musikalischen Gedanken aus und entwickelt diesen Raga im zeitlichen Verlauf des Stückes aus dem Wechselverhältnis von Freiheit und Disziplin weiter. Die Musik spricht mit einer Stimme.

Der mehrstimmige Klang eines europäischen Orchesters würde nach indischem Verständnis als unverständliches Stimmengewirr verstanden werden. In neuerer Zeit jedoch hat Ravi Shankar indische Musik mit mehreren Solisten als Jugalbandi und auch Orchestermusik in Indien bekannt gemacht. Einen Dialog gibt es ansonsten nur zwischen Melodie- und Rhythmusinstrument.


Eine Performance eines Raga beginnt in der Regel sehr langsam, ohne rhythmische Begleitung. Der Alap besteht, wie es im Wesen des indischen Kunstgenusses liegt, ja darin, durch dramatische, poetische, musikalische oder visuelle Mittel den Geist des Betrachters in eine gewollte Emotion zu versetzen. Dabei soll der in den Genuss Verstrickte derartig von der betreffenden Stimmung affiziert werden, dass kein anderer Gedanke mehr Platz findet. Das entspricht einer mit einer Meditation vergleichbaren völligen Absorption des Geistes .
Bei Kunstdarbietungen soll auf diese Weise eine gleichzeitige und emotionale Ebene von Künstler und Betrachter erzielt werden.

Diese langsame Einleitung des Solisten, eines Sängers oder Instrumentalisten (z.B. Bansuri, Sitar, Sarod o.Ä.), endet mit dem Einsatz der Tabla. Damit beginnt die Zählung in Tala-Zyklen, meist zunächst in langsamem oder mittlerem Tempo.

Die Geschwindigkeit steigert sich dann im Verlauf des Stücks, entweder durch Erhöhung (z.B. Verdoppelung) der Schlagdichte oder allmählichen Anstieg des Tempos bis zum fulminanten Höhepunkt (Jhala). Manchmal folgt vor dem endgültigen Schluss eine kurze neuerliche langsame Passage.

 

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In der ganzen Weltkultur gibt es aus so früher Zeit kein anderes Beispiel einer hoch entwickelten theatralischen Kunst, in der Tanz, Gesang und Musik, zusammen mit dem Sanskrit Wort "Sangiita" bezeichnet, mit episch dramatischer Literatur eine komplexe Einheit bilden, die fast zu allen Zeiten mythisch-religiös bestimmt ist.

Der graduelle Prozess der indischen Musik ist ein wirklicher Schlüssel zum ganzen Bereich der Musikproduktion, der vom imaginativen Konzept der indischen Menschen entsprang.

       
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